Page 21 - alt & jung 04/2021
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men. Oft sind für Rollstuhlfahrer auch Lichtschalter, Türdrücker oder Küchenschränke kaum erreichbar. Empirica-Geschäftsführer Reiner Braun sieht des- halb gerade im eigenen Haus „einen erhöhten Bedarf an barrieresenkenden Maßnahmen“. Durch intelli- gente Haustechnik wie elektrische Rolladenkästen, automatische Smart-Home-Steuerung, im Sitzen er- reichbare Schalter, Sanitärarmaturen und Heizkör- perventile, sowie Duschsitze, ebenerdige Duschen und Haltegriffe an Waschtisch und WC kann die Ei- genständigkeit verbessert werden.
Experten weisen darauf hin, dass in einer altern- den Gesellschaft Mobilität nur mit Barrierefreiheit möglich ist. Die leichte, einfache Zugänglichkeit des Wohnraums ist nicht zuletzt auch aus finanziel- len Gründen zwingend notwendig. Das Pestel-Ins- titut mahnt, dass ohne den drastischen Aus- und Neubau von barrierefreien Wohnungen deutlich mehr Senioren ins Pflegeheim ziehen müssten – und das würde auch volkswirtschaftlich immens teuer. Für die Industriegewerkschaft Bau droht längst ein Anstieg der „grauen Wohnungsnot“. Da die geburtenstarken Jahrgänge vermehrt ins Ren- tenalter kommen, werde sich das Fehlen von der- zeit 2,3 Millionen altengerechten Seniorenwohnun- gen weiter zuspitzen. Für die Gewerkschaft gibt es nur einen Ausweg: Die Wohnungsbaukonzerne sollen jede 5. freiwerdende Wohnung altengerecht umbauen.
Der Staat unterstützt die barrierefreie Bauweise – unter anderem über die Kreditanstalt für Wieder- aufbau (KfW) – durch gezielte Förderprogramme, da sich der schwellenlose Umbau für die Gesell- schaft auszahlt. Vorausschauende Bauherren pla- nen vor und hinter jeder Tür eine großzügige Bewe- gungsfläche von 1,50 Meter und in Fluren mindestens 1,20 Meter Breite ein, damit ausrei- chend Platz für Rollstuhl und Kinderwagen bleibt. Das Institut für Bauforschung in Hannover hat nach Angaben der Aktion pro Eigenheim berech- net, dass die Mehrkosten für eine barrierefreie Wohnungsausstattung für einen Neubau mit 140 Quadratmetern Wohnfläche gerade 3,2 Prozent der Bausumme betragen. Clever also, wer seine Im- mobilie direkt barrierefrei plant und sich später im Alter teure Umbauten erspart.
Wilfried Goebels
Journalist und freiberuflicher Kolumnist
Sicherheit
   4|2021
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 Hausbesitzer und Mieter können nach einer Check- liste des Bundesfamilien- ministeriums leicht prüfen, ob die eigene Wohnung altengerecht ist. Hier einige Kriterien:
✓ Ist die Wohnung ohne Stufen und Schwellen erreichbar?
✓ Gibt es im Treppenhaus beidseitig Haltegriffe?
✓ Hat das Bad eine ebenerdige Dusche und Haltegriffe?
✓ Kann man vor dem Wasch­ tisch bequem sitzen und in den Spiegel sehen?
✓ Haben die Türen eine Breite von 90 cm, damit sie mit Rollator und Rollstuhl passiert werden?
✓ Hat die Küche eine Sitz­ gelegenheit?
✓ Sind die Teppiche rutschfest verlegt?
Foto: goodluz/stock.adobe.com


















































































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