Page 30 - Ausgabe 1/2022 "alt & jung"
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Demenz-Aktivistin Helga Rohra
Ich will Erkrankte motivieren
Nach ihrer Diagnose Demenz besann sich Helga Rohra auf ihre Stärken und initiierte eine Bewegung von Demenz Betroffenen mit dem Anliegen: „Wir wollen Anerkennung und Mitbestimmung.“
„alt & jung“ sprach mit Helga Rohra über ihre Krankheit, ihren Alltag und ihren unermüdlichen Einsatz für Demenzkranke.
Wer ankommen will, muss sich auf den Weg machen“, hat Helga Rohra zu Beginn des Jahres 2022 auf Facebook gepostet. Ein Satz, der wohl als ihr Lebensmotto gelten kann. Erst recht, nachdem bei ihr im Alter von 54 Jahren Demenz diagnostiziert wurde. Ein Jahr lang hat sie getrauert, aber dann hat die ehemalige Fremdsprachenkorrespondentin sich aufgerafft und sich wieder zurück ins Leben gearbeitet.
Sie sind ständig unterwegs auf Kongressen und Tagungen, halten internationale Vorträge und sind die Stimme für tausende Menschen, die unter Demenz leiden. Dabei haben selbst eine Form der Demenz. Was ist Ihre Botschaft? Helga Rohra: Ich will Erkrankte motivieren. Nicht jeder, der vergisst, ist nicht mehr in der Lage etwas zu leisten. Auch demenzkranke Menschen sind wertvolle Mitglieder der Gesellschaft. Außerdem habe ich gelernt, dass man nicht alle Menschen mit Demenz in einen Topf schmei ßen kann. Es gibt weit über hundert verschiedene Arten der Demenz; die Krankheit hat viele Ursachen und sie kann in jedem Alter beginnen. Deshalb möchte auch dafür werben, möglichst früh präventiv zu handeln, um Demenz in den Griff zu bekommen. Damit muss man ganz früh anfangen. Ich arbeite also jetzt mit meinem Wissen für die Enkel.
Woher nehmen Sie die Kraft?
Ich war schon immer eine Kämpferin. Das fing schon an, als klar war, dass mein Sohn das AspergerSyndrom hat. Ich war damals im Stadtrat und habe mich für die Inklu sion dieser Kinder eingesetzt und Gruppen gegründet. Auch für solche mit DownSyndrom oder anderen Be sonderheiten. Gemeinsam mit den Eltern dieser Kinder haben wir gekämpft, um zu zeigen, dass diese Kinder viel Potential haben. Das hat mir bei meiner eigenen De menzreise viel geholfen.
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Mitgliedermagazin der Senioren-Union
trotzDEM
Die Plattform von Helga Rohra www.trotzdem.org
Foto: Osterland/stock.adobe.com

