9. Altersbericht

18.03.2026
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Stellungnahme der Senioren-Union

zum 9. Altersbericht der Bundesregierung

 

1. Grundsätzliche Bewertung

Der 9. Altersbericht der Bundesregierung beschreibt die Herausforderungen des demografischen Wandels in Deutschland.
Besonders hervorzuheben sind:

  • die zunehmende Zahl hochaltriger Menschen
  • die Veränderungen der Lebensverläufe im Alter
  • die Bedeutung gesellschaftlicher Teilhabe für Lebensqualität und Selbstbestimmung im Alter.

Die Senioren-Union befürwortet ausdrücklich, dass der Bericht die Teilhabe älterer Menschen als zentrales Leitprinzip hervorhebt. Ein selbstbestimmtes Leben im Alter ist abhängig von sowohl individuellen Voraussetzungen als auch unterstützenden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.
Die Senioren-Union hätte es für richtig gehalten zudem, wenn an der Erstellung des Berichts eine stärkere Beteiligung von altersmäßig Betroffenen stattgefunden hätte. Die Einbeziehung des betroffenen Personenkreises ist für die Senioren-Union nach dem Motto „Über uns - nicht ohne uns“ von essenzieller Bedeutung.
Die eingesetzte Kommission wurde bereits 2022 von der damaligen Bundesregierung – Bundesministerin Lisa Paus (Die Grünen) - berufen, woraus sich bestimmte thematische Schwerpunkte ergeben.

2. Stärken des Berichts

Positiv hervorzuheben sind insbesondere:

  • die Betonung eines aktiven und selbstbestimmten Alterns = Selbstbestimmung statt Fürsorge
  • die Bedeutung von Ehrenamt und gesellschaftlichem Engagement älterer Menschen
  • die Förderung barrierefreien und altersgerechten Wohnens
  • die stärkere Beachtung von Einsamkeit im Alter
  • die Rolle von Kommunen, Quartieren und lokalen Netzwerken.

Auch die Auseinandersetzung mit dem Thema Ageismus (statt dieses Ausdrucks sollte der Begriff „unzulässige Altersdiskriminierung“ Eingang in die Bezeichnung des Themas finden)  – also der ungerechtfertigten Benachteiligung älterer Menschen aufgrund ihres Alters – ist ein wichtiger Beitrag zur gesellschaftlichen Sensibilisierung. Altersbilder, Vorurteile und Diskriminierung können erhebliche negative Folgen für die körperliche und psychische Gesundheit älterer Menschen haben. Eine offene gesellschaftliche Debatte und intergenerationale Programme können dazu beitragen, stereotype Altersbilder zu hinterfragen. Hier bestehen deutliche Schnittmengen mit den Anliegen und der Arbeit der Senioren-Union.

 

3. Wissenschaftlicher Charakter des Berichts

Der Altersbericht ist eine wissenschaftliche Publikation. Er analysiert Entwicklungen auf verschiedenen Ebenen:

  • Bundesebene
  • Landesebene
  • kommunale Ebene.

Für die Senioren-Union ist es wichtig, aus den Analysen – zeitnah und nachvollziehbar - konkrete politische Handlungsansätze auf allen Ebenen abzuleiten.

Schlussfolgerungen sollten unbedingt bei dem in Arbeit befindlichen 10. Altenbericht der aktuellen Bundesregierung Berücksichtigung finden.

 

4. Wichtige Themenfelder aus Sicht der Senioren-Union

Teilhabe und politische Beteiligung

Angesichts des leichten Rückgangs der Wahlbeteiligung sehr alter Menschen – insbesondere hochbetagter Frauen – ist es unabdingbar, die praktische Ausübung des Wahlrechts insgesamt zu erleichtern. Gerade in Pflegeeinrichtungen muss gewährleistet sein, dass Bewohnerinnen und Bewohner ihr Wahlrecht selbstbestimmt wahrnehmen können.

Auch die politische Beteiligung älterer Menschen sollte gestärkt werden, beispielsweise durch:

  • Seniorenvertretungen
  • kommunale Seniorenbeiräte
  • Landesseniorenvertretungen.

Seniorenmitwirkungsgesetze und das Behinderungsgleichstellungsgesetz können u.a. hierfür einen wichtigen institutionellen Rahmen bilden.

Regionale Unterschiede

Der Bericht zeigt deutliche regionale Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sowie zwischen städtischen und ländlichen Regionen. Diese Unterschiede betreffen unter anderem:

  • Einkommenssituationen
  • Infrastruktur
  • soziale Teilhabe.

Solche Unterschiede müssen bei politischen Maßnahmen stärker berücksichtigt werden.

Mobilität im Alter

Mobilität ist eine zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe.

Wichtige Ansatzpunkte auf kommunaler Ebene sind beispielsweise:

  • barrierefreie Haltestellen
  • verständliche Wegeführung im öffentlichen Nahverkehr
  • Zugang zu Ticketangeboten (auch ohne digitale Hürden)
  • gute Anbindung ländlicher Regionen.

Gesundheit und Klimafolgen

Die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels betreffen ältere Menschen in besonderem Maße. Hitzeschutzkonzepte und präventive Maßnahmen sollten daher insbesondere auf kommunaler Ebene stärker berücksichtigt werden.

Finanzielle Beratung und Unterstützung

Der Bericht weist auch auf die Bedeutung von Schuldner- und Finanzberatung hin. Gerade für ältere Menschen können solche Angebote eine wichtige Unterstützung sein. Hier haben Kommunen eine wichtige Verantwortung.

 

5. Kritische Punkte

Der Bericht setzt aus Sicht der Senioren-Union teilweise falsche politische Prioritäten.

Kritisch zu sehen sind insbesondere:

  • eine teilweise starke Fokussierung auf identitätspolitische Themen
  • Vorschläge zur Schaffung zusätzlicher Sozialleistungssysteme
  • mögliche neue Bürokratie durch zusätzliche Programme.

 

Die zentralen Herausforderungen älterer Menschen liegen weiterhin vor allem in:

  • Sicherung der Alterseinkommen
  • Verlässlichkeit medizinischen Versorgung
  • Finanzierung der Pflege
  • Bekämpfung von Einsamkeit einer
  • Schutz vor Diskriminierung
  • Sicherheit im Lebensumfeld.

Diese Themen müssen stärker im Mittelpunkt politischer Entscheidungen stehen.

 

6. Forderungen der Senioren-Union

Nachhaltige Sicherung der Alterssicherungssysteme

  • stabile gesetzliche Rentenversicherung
  • Stärkung der betrieblichen und privaten Altersvorsorge.

Reform der Pflegeversicherung

  • bessere Unterstützung pflegender Angehöriger
  • Ausbau ambulanter Pflegeangebote
  • Fachkräfteoffensive in der Pflege.

Wohnen im Alter

  • Ausbau barrierefreier Wohnungen
  • Förderung gemeinschaftlicher Wohnformen
  • Stärkung altersgerechter Quartiere.

Bekämpfung von Einsamkeit und Diskriminierung

  • mehr Begegnungsorte und soziale Infrastruktur
  • Förderung generationenübergreifender Projekte
  • Unterstützung ehrenamtlicher Initiativen.

Sicherstellung der Gesundheitsversorgung

  • wohnortnahe ärztliche Versorgung
  • Ausbau digitaler Gesundheitsangebote
  • gezielte Förderung ländlicher Regionen.

 

Fazit

Der 9. Altersbericht liefert wichtige wissenschaftliche Analysen zur Lebenssituation älterer Menschen in Deutschland.

Entscheidend bleibt jedoch, dass die Politik den demografischen Wandel als eine zentrale gesellschaftliche Zukunftsaufgabe begreift und die konkreten Lebensbedingungen älterer Menschen – insbesondere in den Bereichen Rente, Pflege, Gesundheit, Wohnen, Sicherheit im Lebensumfeld und soziale Teilhabe – stärker in den Mittelpunkt stellt.