Page 19 - Ausgabe 2/2023 "alt & jung"
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  Sie fordern als Unternehmer von der Politik Steuersenkungen für Beschäf­ tigte, die jenseits des Renteneintritts­ alters weiterarbeiten. Warum?
Ich bin ein pragmatischer Mensch – wenn wir einen großen Fachkräftemangel haben ist es doch vollkom- men klar, dass ich als Unternehmer sofort reagiere. Wer freiwillig länger arbeiten will, sollte die Möglichkeit dazu haben. Er sollte dann aber weniger Steuern zahlen müssen, denn sonst lohnt es sich ja nicht für ihn. Und da verstehe ich nicht, dass die Bundesregierung nicht entsprechend reagiert.
Was schätzen Sie an älteren Arbeitnehmern?
Angestellte, die bei mir als Lehrlinge angefangen ha- ben, sind über die Jahre natürlich aufgestiegen und sind immer wieder in bessere und leitende Positionen ge- kommen. Dadurch haben sie einen unglaublichen Er- fahrungsschatz. Wenn dann ein solcher Top-Mitarbei- ter zu mir kommt und will gern noch länger arbeiten, dann ist es ein Geschenk für mich. Das Fachwissen, das er nach 30 bis 40 Jahren hat, kann ich nicht kaufen.
Wie viele wollen denn trotz Ruhestand weitermachen?
Ich habe den Eindruck, dass viele länger arbeiten wür- den, wenn die Rahmenbedingungen von der Politik ein- deutig festgelegt wären. Das bedeutet Steuersenkun- gen für Ruheständler, die arbeiten wollen.
Sie haben 1200 Mitarbeiter.
Wie ist die Fluktuation?
Wir haben pro Jahr 40 bis 50 Abgänge. Das sind Leute, die in den Ruhestand gehen, Kinder bekommen oder wegziehen. Wir suchen und bekommen auch immer neue Leute und können so den Mitarbeiterstand knapp halten. Wenn sie mir vier Näherinnen schicken, stelle ich diese sofort ein.
Die Arbeitswelt hat sich sehr verändert. Die jungen Menschen wollen heute nicht so viel arbeiten und fordern Homeoffice. Was halten Sie davon?
Home-Office, das habe ich vom ersten Tag an kritisiert. Das geht bei TRIGEMA nur bedingt. Wir sitzen alle im Großraumbüro; auch ich, während ich mit Ihnen das Interview führe! Ich habe 38 Mitarbeiter in der Verwal- tung; alle brauchen bzw. wollen den ständigen Kontakt untereinander! Wer bei mir wichtig ist muss da sein. Das gilt auch für mich. Wenn ich einem Mitarbeiter sa- gen würde, dass er zu Hause bleiben kann, würde der sich unwichtig fühlen, und wer will schon unwichtig sein?
 Gesellschaft
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