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Aktuelles 2017

„Die Älteren werden nicht genug gefordert“

Der Bundesvorsitzende der Senioren-Union, Prof. Dr. Otto Wulff, im Interview mit der Schwäbischen Zeitung zu den Perspektiven einer alternden Gesellschaft

Otto Wulff, Vorsitzender der Senioren-Union, kämpft seit vielen Jahren dafür, dass die Interessen älterer Menschen gesellschaftlich und politisch ernst genommen werden. „Heutzutage werden die Älteren mehrheitlich betüddelt, weil man sie als Wähler gewinnen möchte“, sagte Wulff im Gespräch mit Daniel Hadrys und Claudia Kling. Aber sie bekämen keine Chance, „ihre Berufs- und Lebenserfahrung zum Nutzen des Landes ins Parlament einzubringen“.

Herr Wulff, von Sozialverbänden, aber auch von Politikern wird oft vor Altersarmut gewarnt. Gibt es tatsächlich immer mehr arme Senioren – oder handelt es sich um ein herbeigeredetes Phänomen?

Das Phänomen der Altersarmut wird übertrieben und entspricht so nicht der Wirklichkeit. Die meisten in der heutigen älteren Generation über 60 leben von Einkommen, die unsere Vorfahren so nicht gehabt haben. Es gibt natürlich auch Fälle, die bestürzend sind. Das betrifft meistens alleinstehende Frauen, die nicht in der Lage waren, selbst für ihr späteres Leben vorzusorgen und von der Rente ihrer verstorbenen Männer abhängig sind.

Werden die Senioren von den Parteien zu offensiv als potenzielle Wählergruppe umgarnt?

Das stimmt nicht, dass die Parteien, auch nicht die CDU/CSU, ihre Wahlstrategie besonders stark auf die Senioren ausgerichtet hätten. Im Wahlprogramm stehen zwar wichtige Forderungen zur Pflege und Rente. Doch die älteren Menschen richten ihr Interesse auch auf ganz andere Themen. Viele sorgen sich mehr um Sicherheit in Deutschland und die Zukunft ihrer Kinder und Enkel. Das Gleiche gilt für das Thema Europa. Die Älteren erinnern sich nur zu gut an die Zeit, als es noch Kriege und Grenzen in Europa gab, schon deshalb haben die Älteren ein sehr viel größeres Interesse an diesem Thema, als manche es vermuten.

Werden Senioren unterschätzt?

Mit Verlaub, die Älteren sind weniger lahm und weniger langweilig als heute ein Teil der jungen Menschen. Die Älteren gehen stärker zur Wahl, weil sie aus Erfahrung wissen, dass es eine Pflicht ist, sich für Politik zu interessieren. Unsere Veranstaltungen sind voll. Auch die meisten Ihrer Abonnenten der Zeitung sind ältere Menschen, weil viele Junge zu bequem geworden sind, Zeitung zu lesen und sich nur oberflächlich im iPad informieren. Sie verlieren die Besonnenheit.

Ist die ältere Generation zu wenig im Bundestag vertreten?

Ja natürlich, leider. Es ist ein Nach-teil für die Republik, dass die Älteren nicht genug gefordert werden. Denken Sie an die Situation in der jungen Bundesrepublik im Jahre 1949. Es waren doch Adenauer und seine Mitstreiter, die Wege eingeschlagen haben, die nach den Erfahrungen der Vergangenheit die einzig richtigen waren. Heutzutage werden die Älteren mehrheitlich betüddelt, weil man sie als Wähler gewinnen möchte, aber die Chance, ihre Berufs- und Lebenserfahrung zum Nutzen des Landes ins Parlament einzubringen, bekommen sie nicht.

Ärgert es Sie, wenn von der Überalterung der Gesellschaft die Rede ist?

Um das ganz klar zu sagen: An der Überalterung der Gesellschaft sind die Jungen schuld und nicht die Alten, die haben ihre „Pflicht“ getan. Zudem: Was heißt denn Alter? Ich kenne 40-Jährige, die meiner Meinung nach alt sind, und ich kenne 70-Jährige, die noch manchen 40-Jährigen in den Sack stecken. Wir müssen aufpassen, dass Kalenderjahre nicht gleichgesetzt werden mit überflüssig zu sein, nicht mehr gebraucht zu werden, nicht mehr identifikationsfähig zu sein. Wenn die über 60-Jährigen demnächst nicht mehr weiterarbeiten, dann wird unsere Wirtschaft nicht mehr überlebensfähig sein, weil uns die Fachkräfte ausgehen. Es wird sich künftig lohnen, noch in die Weiterbildung eines 62-Jährigen zu investieren, wenn er bis zum 67. Lebensjahr arbeiten soll.

In ländlichen Regionen – auch hier – haben alte Menschen oftmals ein Mobilitätsproblem. Was muss passieren, um den ländlichen Raum für Senioren attraktiver zu machen?

Die Älteren müssen die Möglichkeit haben, einzukaufen, am öffentlichen Leben teilzunehmen und einen Arzt aufsuchen zu können, ohne lange und beschwerliche Anreisen in Kauf nehmen zu müssen. Deshalb ist es beispielsweise so wichtig, bei der Zulassung beim Medizinstudium Anreize zu schaffen, mehr Ärzte aufs Land zu bringen. Die Politik könnte zudem ganz gezielt junge Firmengründer unterstützen, die bereit sind, auch aufs Land zu gehen, um die ländlichen Räume für Arbeitssuchende attraktiv zu machen.

Was versprechen Sie sich vom autonomen Fahren?

Ich sehe Chancen. Wenn ältere Menschen es lernen, einen Computer im Auto zu bedienen und dadurch mehr Mobilität erfahren, so ist das unbestritten eine Erleichterung für sie. Und es wird eine weitere Hilfe für sie sein, wenn die Technik so weit fortschreitet, dass sie von Robotern auch bei der Hausarbeit unterstützt werden. Man darf vor der Technik keine Angst haben, wenn man lernt, sie zu beherrschen. Das gilt auch für die Telemedizin, die ganz neue Formen der Behandlung bringen kann. Aber die eigentliche Frage ist doch, ob wir auch künftig eine Gesellschaft haben werden, in der Jung und Alt füreinander und miteinander Verantwortung tragen. Darauf muss die Politik hinwirken. Das ist auch eine Frage der Erziehung und der Bildungspolitik.

Fahren Sie eigentlich selbst noch Auto?

Ja. Im Jahr mindestens 15.000 bis 20.000 Kilometer.

Und befürworten Sie regelmäßige Gesundheitskontrollen für ältere Verkehrsteilnehmer?

Im Prinzip habe ich nichts gegen Prüfungen für Autofahrer in regelmäßigen Intervallen. Aber dann bitte für alle. Jeder soll nach drei Jahren testen, ob er noch Auto fahren kann. Das an einer bestimmten Altersgrenze festzumachen, halte ich für problematisch. Es käme für mich einer Altersdiskriminierung gleich, wenn man den Älteren unterstellen würde, etwas prinzipiell nicht mehr zu können.

Macht es Ihnen Angst, wenn Sie an die Zukunft Ihrer Kinder in Deutschland denken?

Nein, überhaupt nicht. Ich bin kein ängstlicher Mensch. Wenn ich Angst hätte und pessimistisch wäre, dann würde ich keinen einzigen Wähler gewinnen. Abgesehen davon bin ich überzeugt, dass auch noch in 100 Jahren die Sonne im Osten aufgeht und im Westen untergeht. Die Idee der Griechen, ihre Demokratie, hat bald 3000 Jahre überdauert. Sie wird lebendig bleiben und uns tragen und unser gemeinsames Werteverständnis begründen. Ob wir in 500 Jahren noch alle in unterschiedlichen Sprachen unsere europäischen Ideale verteidigen, ist eine andere Frage. Aber es wird weitergehen, wir halten durch!

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